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Vom Autofahren und Kreisverkehren

Man kennt mich. Doch auf Reisen kennt man mich noch besser. Bin ich zu Hause grundsätzlich etwas öffentlicheverkehrsmittellegasthenisch, bin ich auf Reisen doch sehr offen ihnen gegenüber, wenn manchmal nicht sogar von ihnen angetan. Getreu diesem Abenteurerinstinkt, wollte ich mich auch tatsächlich auf das Abenteuer Bus auf Malta einlassen. Wirklich. Ich hatte ernsthafte Pläne.
Ich wurde gewarnt, von meiner Vermieterin wie von Bekannten und Freunden. Die Busse kommen selten bis garnicht und wenn sie dann kommen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch halten – obgleich man sich praktisch vor sie auf die Straße wirft. So praktiziert. Gefühlte 30 Grad in der prallen Sonne, ich an der Bushaltestelle, der Bus kommet, ich führe ungelogen einen Affentanz auf um auf mich aufmerksam zu machen…der Bus fährt vorsichtshalber weiter – ich könnte ja im worst case ein Fahrgast sein! Ich Atme tief durch und erörtere meine Optionen. Option 1: 1 Stunde bei praller Sonne am staubigen Straßenrand auf den nächsten Bus warten. Option 2: Zur anderen Bushaltstelle des Ortes pilgern, zum Flughafen fahren und einen eigenen fahrbaren Untersatz besorgen. Es dürfen Tipps bzgl. meines Vorgehens abgegeben werden…


Nun denn, wer hätte es gedacht, ich stehe am Flughafen und leihe mir ein Auto. Das kleinste das sie haben, wenn möglich bitte auch schon eines, bei dem die folgenden 2.000 Kratzer nicht weiter auffallen. Ersteres ja, Zweiteres nein. Scheiß drauf, wir haben ja Vollkasko ohne Selbstbeteiligung. Also los. Ach ja, da war ja noch was – ich steige versehentlich auf der Beifahrerseite ein. Hier läuft das ja alles andersrum. Auf ins Abenteuer. Doch ich bin erstaunt, es funktioniert erstaunlich gut, das Fahren auf der falschen Seite, denn man sitzt ja sozusagen auch auf der falschen Seite. Die rechte Hand gleitet ein paar Mal ins Leere um zu schalten; das wird sie bis zum Ende dieser Woche noch oft tun. So richtig spannend macht es an diesem Tag jedoch primär das Navi, das lotst mich auf Straßen, die wären bei uns nicht mal als Feldweg zugelassen. Gut, für die Baustellen kann es nichts, doch selbst ohne diese wäre es ein wilder Ritt. So lande ich in einer „Ausgrabungsstätte“, die ihres gleichen sucht und darüber hinaus auch noch maximal steil bergab geht. Am steilsten Punkt befindet sich natürlich auch noch eine 180° Kurve. Es ist so steil und der Untergrund so rutschig, dass das Auto einfach weiterrutscht wenn ich bremse. Gott sein Dank kennen die Schüssel und ich uns auch schon seit 30min! Und dann, endlich unten, alles geschafft, irgendwie rum um die Ecke mit fast ausbrechendem Heck. Straße gesperrt. Zu. Nichts geht. Kein Schleichweg. Keine Option. Gesperrt. Ergo: wieder hoch. Wie? Fragt mich nicht, einmal Vollgas, das Lenkrad rumgerissen wie irre, Augen zu, mehr Gas, es staubt überall, rattert, knattert, knallt. Schlagloch um Schlagloch passieren wir und irgendwie sind wir oben. Angekommen. Ich war mir sicher Kotflügel und Unterboden auf halber Strecke geopfert zu haben…das Gute: Um die richtige Straßenseite musste ich mich bei dieser Aktion nicht kümmern.


Als im am Abend das Auto abstelle blinkt bereits die erste Anzeige im Display. Reifendruck prüfen! Fantastisch, denke ich mir. Ein schleichender Platter. Ich informiere die Leihwagenfirma, man fragt mich ob denn ein Reifen bereits platt sei, ich verneine, man informiert mich weiterhin, dass dieses Modell einen hierbei gerne mal irre führe, ich solle mich wieder melden, wenn irgendwas platt ist. Ich, denke ich. Ich bin für heute platt.
Doch das Problem an der Sache ist ja eigentlich gar nicht, dass man auf der falschen Seite fährt, auch nicht, dass hier Straßen gerne mal so breit wie das Auto selbst sind oder Schlaglöcher haben, die sicherlich bis China reichen. Nein, es ist der Fakt, dass dich hier niemand auf die nicht vorhandenen Verkehrsregeln aufmerksam macht, die man somit selbst erkunden darf – während man rechts abermals vergeblich den Schaltknüppel sucht. Das Wichtigste, was ich erarbeiten konnte, und ich möchte behaupten gen Ende meiner Reise dann auch selbstsicher beherrschte, war das Kreisverkehrfahren. Das funktioniert nämlich zumeist zweispurig. Willst du die erste oder zweite Ausfahrt nehmen, nimm die linke Spur, willst du die dritte oder weitere Ausfahrten nehmen, nimm die rechte Spur. An deiner Ausfahrt dann einfach keinen Blinker setzen, links rüber ziehen und die Ausfahrt nehmen. Versuchst du die dritte Ausfahrt auf der äußeren Spur zu erreichen, kannst du davon ausgehen, dass du ein anderes, nicht blinkendes Fahrzeug in der rechten Vordertür hast, denn: a) rechnet niemand damit, dass jemand die dritte oder weitere Ausfahrten auf der linken Spur nimmt und b) schaut eh niemand bevor er rüberzieht. Ich habe es ausprobiert. Wenn ein Zeitungspapier dazwischen gepasst hat, ist es wohl viel gewesen. Eigentlich muss man nur das korrekte Kreiseln berücksichtigen und: nicht blinken, davon ausgehen, dass die andern nicht mitdenken und ab und an mal hupen, das bringt Freude.


Als ich den Wagen zurückbringe, macht mich der Typi darauf aufmerksam, dass ich links vorne ein paar klassische Kratzer an der Kante verewigt hätte. Ich meinte, dass es bei den Straßen ein Wunder sei, dass an dem Auto überhaupt noch was dran sei, denn ein Jeep sei es ja nicht gerade. Er lächelt und meint: Keine Angst, wenn Mädels wie du einen Wagen normalerweise zurückbringen, sieht er sehr viel schlimmer aus… Ich gehe wortlos.

2.1.16 23:24
 


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