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Ätna. Ihre Majestät lädt zur Audienz.

Bereits am Vorabend erhielt ich die Einladung. Direkt von meinem Balkon aus kann ich Ihre Majestät, wie man den Ätna hier auch nennt, beobachten, um das großartige Lavaspektakel mitzuerleben. Welch bessere Einladungskarte könnte es geben, als einen orange-roten Lavastrom bei Nacht der wunderbar in der Dunkelheit scheint und glimmt, um einem den Weg für den kommenden Tag zu zeigen?!

Also los. Der Vater meiner Vermieterin holt uns um halb neun ab. Uns? Mich und drei ukrainische, mehr oder minder recht gut ausgewachsene Kerle – und dann alle ab in einen 20 Jahre alten Fiat Panda. Dunkelgrün, für seine Tage gut erhalten, schlanke 154.000 km auf dem Buckel, mit gefühlter Knautschzone eines Blatt Papiers. Mehr aufeinander denn nebeneinander rattern wir also zu fünft gen Ätna. Die Kommunikation ist ein fröhliches Kauderwelsch aus Englisch, Französisch und Italienisch; ich werfe darüber hinaus ab und zu spontan ein spanisches Wort in den Raum. Konsequent an unserer Verständigung ist auf jeden Fall, dass kein Satz nicht mindestens Wörter aus zwei oder mehr Sprachen enthält. Dennoch: Es läuft hervorragend. Auch der Panda Richtung Berg. Durch Schlaglöcher so hoch wie der ganze Radkasten brausen wir wie über Kieselsteine – vielleicht in der Hoffnung, dass wir ab einer gewissen Geschwindigkeit darüber hinweg fliegen können. Aber nein, wir fliegen nicht. Jedes Schlagloch erschüttert Mark und Bein.

Schließlich erreichen wir einen kleinen Parkplatz im Nirgendwo. Und los geht’s zu Fuß nach oben. Zunächst noch durch Nadelwald, doch der lichtet sich schnell und die Bäume weichen einer Art Riesenkaktus, der zwar keiner ist, dennoch verdächtig danach aussieht und ebenso stachelt. Der Waldweg weicht einem schwarzen Staub-Sand-Gemisch, welches im Endeffekt zerkrümelte Lava ist. Eine gespenstische Einöde aus blassem gelb-grün und anthrazit stellt sich ein. Darüber legen sich immer wieder kleine Wolkenfelder, die eine Atmosphäre, wie man sie sich in Island nur vorstellt, schaffen. Mystisch, beklemmend, nicht ganz geheuer. Aus der unsichtbaren Ferne hört man das Getöse und Rumpeln des Vulkans. Und plötzlich, völlig unverhofft öffnet sich der dichte Nebel, die Sonne kommt hervor und da ist er: der Krater. Majestätisch thront er am blauen Himmel und spuckt weißen Rauch, schwarzes Gestein und orange-rote Lava, was sich zu einem nahezu unbeschreiblichen Gemisch vereint. Atemberaubend. Rechts geht es steil in die Tiefe, hinunter in eine Art Lavaauffangbecken, welches mit schwarzer erstarrter Lava gefüllt ist. Dazwischen ragen immer wieder andersfarbige Gesteinsbrocken aus der anthrazitfarbenen Masse. Doch wir sprechen hier nicht von der Größe eines Fußballfeldes oder zwei. Es scheint schier unendlich, nicht greifbar. Eine Szenerie alla Herr der Ringe, der Hobbit, wie sie alle heißen. Es wird fotografiert, geposed, geknipst. Näher können wir aufgrund der Aktivitäten leider nicht heran, aber die Explosivität ist es wert, die Naturgewalten direkt vor der Nase.

  

So steigen wir nach getanem Shooting wieder ab und düsen Richtung Heimat. Das geht schneller, denn es geht bergab. Da das Model Panda jedoch anno dazumal noch kein Radio hatte, die Herren in vorderer Reihe aber glauben, dass ein wenig Musik der Stimmung guttun würde, beschließen sie diese kurzum selbst in die Hand zu nehmen. Der Guide setz auf Italienisch an, einer der drei Musketiere auf Französisch hinterher. Erstaunlich, wie viele Lieder es in beiden Sprache gibt, oder jetzt eben kreiert sind. Schallend und ratternd verlassen wir den Ätna. Schwer beeindruckt vom Naturspektakel und den mysteriösen Klängen aus der vorderen Reihe…

14.12.15 19:29
 


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