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Genickstarre gen Himmel. Außer Landes.

Selten habe ich so viel gen Himmel geschaut. Und auch wenn es im Vatikan nahe liegen würde doch noch nach Gott zu suchen, kann ich alle Skeptiker beruhigen – ihn habe ich nicht bewundert.

Ich gehe also mal geschwind außer Landes, raus aus Italien, rein in den kleinsten Staat der Welt, den Vatikan. So ganz kann man es nicht verstehen, dass man plötzlich nicht mehr auf italienischem Boden sein soll, doch es wird einem nachdrücklich versichert. Also starten wir die Tour mit unserer Guide, die einen herrlich sarkastischen und skeptischen Humor der Kirche gegenüber hat und somit alle Ungereimtheiten und Skurrilitäten mit einem hämischen Lachen aufdeckt. Warum Michelangelo bei seinem ersten Auftrag für den Papst lieber billiges blaues Glas als Farbbasis nahm als Lapislazuli und sich vom restlichen Geld ein Landhaus zulegte, warum die sich küssenden Männer auf den Gemälden nicht schwul sind, sondern nur einen schönen Tag haben, warum zunächst alle Menschen auf Michelangelos grandiosen Fresken nackt waren und zu einem späteren Zeitpunkt mindestens untenrum mit einem Stück Stoff oder ähnlichem ausgestattet wurden. Wir wandern also durch das Vatikanische Museum mit einer unvorstellbar großen Ansammlung von Skulpturen, Kunstwerken, Wandteppichen, Briefmarkensammlungen und Enthüllungen. Doch warum die Genickstarre? Es sind die aufwendig, detailgetreuen und schlichtweg atemberaubend gestalteten Decken, die weder Auge noch Kameralinse von ihnen weichen lassen. Sowohl im Museum selbst, als dann auch in der Sixtinischen Kapelle. Hier ist leider weder sprechen, noch fotografieren erlaubt. Harter Tobak für mich. Aber es ist wirklich beeindruckend, was bereits vor so vielen Jahrhunderten hier zustande gebracht wurde, mit welchem Aufwand auf körperlicher wie auch monetärer Seite.  

  

Weiter geht es noch in den Petersdom. Er ist nicht groß, er ist riesig. Er hat nicht einen Altar, er hat um die 20. Einer prachtvoller und aufwendiger als der andere, dazwischen Marmorskulpturen aller Heiligen, Päpste oder was einem sonst in den Sinn kommen könnte. Gold, Verzierungen, Bronzestatuen. Massive Säulen die fast bis in den Himmel und dann doch nur bis zur unendlich hohen Kuppel reichen. Die asiatischen Mitmenschen fotografieren alles, was ihnen vor die Linse kommt ohne die scheinbar geringste Ahnung was dahinter steckt. Die italienischen, respektive katholischen Mitmenschen gehen da gezielter vor, rubbeln an Füßen von bronzenen Papststatuen, machen eifrig Kreuzchen, wo es auch immer für sinnvoll und hilfreich erachtet wird. Ich versuche mich irgendwo dazwischen möglichst unauffällig zu verhalten.

Zu guter Letzt frage ich mich bis zum deutschen Friedhof durch und betrete das erste Mal „echten“ vatikanischen Boden, den Boden, der nicht für jeden Touristen zugänglich ist. Sehr klein, aber sehr fein, eher wie ein spanischer Innenhof mit Palmen und viel Grün, findet man also den deutschen Friedhof, der Überreste bis ins 18. Jahrhundert, aber auch von heute beherbergt. Ein wenig seltsam mitten in Italien in einem anderen Staat zu sein und auch noch auf so etwas wie deutschem Boden. Als mich die Nonne beim Blumengießen aus dem Fenster auf Deutsch grüßt, ist die Illusion perfekt.

  

Der Vatikan. Ein beeindruckendes Stückchen Erde. Pracht- und prunkvoll. Ohne hier eine Grundsatzdiskussion eröffnen zu wollen und mit dem Wissen, dass ich hier als Kirchenskeptikerin spreche, entzieht es sich jedoch meinem persönlichen Verständnis, dass die Kirche predigt den Armen und Schwachen zu helfen und dann solche Paläste baut. Nicht nur hier, überall, hier aber im Besonderen. Nehmt das Geld für die Pracht und investiert es dort, wo es gebraucht wird. Denn ich bin mir sicher, dass kein guter Gott auf diese schiere Verschwendung Wert legt. Betrachte ich nur die Bauten, ihre Architektur und kulturellen Wert, ohne ihren Zweck, bleibe ich schwer beeindruckt von den vollbrachten Taten. Amen.

8.12.15 22:59
 


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