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Unerhörtes und Bemerkenswertes von und mit dem Maulwurf Part VIII

Heute geht es bemerkenswert hoch hinaus. Für den perfekten Rundumblick begeben die Chauffeuse und ich uns in schwindelerregende Höhe, den Sydney Tower. Erste Hürde: Wie kommt man da eigentlich rein, geschweigendem rauf? Der Eingang befindet sich in einer Mall, soviel ist klar. Die Mall ist Mall ist schwerst klimatisiert und ultra stylisch, auch das ist klar. Wo man den Eingang für den Tower findet, alles andere als klar. Auf diversen interaktiven Bildschirmen kann man klicken und wischen wie man will, wir kommen in jedem Stockwerk zu einem anderen Entschluss wo wir hin müssen. Schließlich erbarmt sich die Reisebegleitung und fragt uns durch – endlich; gefunden. Und jetzt geht es geschwind hoch hinaus, zack und oben…Der 360° Blick ist atemberaubend, einfach fantastisch und das bei strahlendem Sonnenschein. Kaum ein Wölckchen, nur wir, die Stadt und die Aussicht. Man Blickt erstaunlich nah und doch erstaunlich weit…

 

 

  

…dort ganz hinten, ist das Meer. Da waren wir auch! Ein herrlicher Tag am weißen Strand mit türkisblauem Wasser war das. Eine 30minütige Busfahrt entfernt kommt man nämlich schon an den schönsten Beaches raus. Wir haben uns einen nicht so überlaufenen Strand empfehlen lassen, den Coogee Beach. Ein Prachtexemplar mit nur einem kleinen Schönheitsfehler an diesem Tag: kleine blaue, dafür aber richtig fiese Quallen, die ein unangenehmes Brennen auf der Haut verursachen. Wir bleiben dem Wasser lieber fern. Doch der Rest ist ne Wucht!

 

…direkt unter uns, dort drüben gleich rechts ist die Oper. Wir haben uns kürzlich ein Ticket erstanden, da es einen 40$ off Voucher im Reiseführer gab. Da hat die Reisebegleitung gleich zugeschlagen; Maulwürfe kommen um sonst rein, Ausweis musste ich trotzdem zeigen. Sehr korrekt diese Aussis, aber ein wirklich nettes Volk. Unser erstes Mal in der Oper, wir waren super gespannt. Der Platz war bestens, alles gesehen, alles gehört, köstlich amüsiert. Da La Bohème bis März nicht mehr gegeben wird, sind wir in den Barbier von Sevilla gegangen „worden“. Eine gute Entscheidung! Sowohl die Geschichte, als auch die Inszenierung war äußerst lustig und unterhaltend, da bebten mir glatt die Schnurrhaare. In der Pause war Platz auf dem Balkon, der einem bei einer leichten Brise eine wundervolle Aussicht auf den Botanischen Garten und die gegenüberliegenden Häuser auf der anderen Seite des Flusses gewährte. Nach einem entspannten Getränk ging es zurück zum zweiten Teil; um halb elf gingen wir glücklich durch die Nacht Sydneys nach Hause und schliefen fröhlich summend ein.

 

...überall in der Stadt verteilt sieht man noch ein paar verlassene Zugstationen. Was das ist? Bis 2013 gab es hier eine von zwei Monorails auf der Welt – die erste haben wir ja schon in KL kennengelernt. Doch diese hier musste leider dem Bau eines neuen Convention Centers weichen. Jetzt findet man nur noch hier und da ein paar verlassene Stationen die nicht mehr miteinander verbunden sind. Die aber wohl coolste Strecke war die am Darling Harbour, ging die Monorail hier doch über eine super alte Holzbrücke für Fußgänger, direkt über die Köpfe der Leute. Heute ist nur doch die Brücke eine Schau, die Vorstellung amüsiert mich dennoch.

 

Und schon geht’s wieder runter, zurück zu den Ameisen, die gerade noch ganz geschäftig dort unten rumgewuselt haben. Ich finde hier schlichtweg nichts Unerhörtes, nur Bemerkenswertes. Es ist toll. So entspannt. Ich muss mich garnicht echauffieren, nur genießen!

27.2.16 17:10


Chinatown vs. Sydney Fish Market

Wie es sich für jede Weltstadt gehört hat natürlich auch Sydney ein Chinatown zu bieten. Weniger touristisch als ich es an vielen anderen Plätzen schon gesehen habe, dafür umso authentischer. Ein Restaurant reiht sich an einen Dim Sum Laden, an einen kleinen Supermarkt, an eine Nudelbar, an einen Frittierimbiss. Weit und breit nur chinesische Zeichen, wenig Englisch zu lesen, wenige Nicht-Asiaten in Sicht. Eine große Anlaufstelle ist Paddy’s Market, für den nun doch klassischen Touri-Mitbringsel-Kram und Obst wie Gemüse. In allen Farben, Größen, Variationen, Ausprägungen. Ein buntes Potpourri an Frische und Knackigkeit. Auch hier: überwiegend Asiaten. Wirklich eine kleine chinesische Oase mitten in Downunder. Und doch: Eine „Hauptstraße“ = touristisch angehauchte Fußgängerzone gibt es. Da Chinese New Year ins Haus steht, ist sowohl diese, als auch der Rest der Stadt, in wundervoll farbenfrohe Figuren getaucht. Hier wuselt es ohne Erbarmen, hier lebt China. Und hier leben diese köstlichen kleinen Bällchen, deren Namen ich mir per Du nicht merken kann; außen Pfannkuchenteig, innen eine cremige Füllung ähnlich eines Vanillepuddings. Da steht man gut und gerne mal 20min an. 3 Bällchen kosten 1 Aussi Dollar, 7 Stück nur 2…günstig und großartig. Darüber hinaus sind natürlich alle Provinzen vertreten, vom hohen Norden mit seinem Hot Pot, der Westen brilliert mit Sichuan Pfeffer aus der gleichnamigen Gegend, bis hinunter nach Guangdong und seinen Chilli-Spezialitäten. Jetzt erstmal eine große Nudelsuppe für Körper und Geist; in den nächsten Tage noch mehr China, mehr Asien. Und man sollte meinen, das ist der chinesische Hot Spot der Stadt, hier trifft Touri auf Anwohner, hier ist die Community, der Rest der Stadt müsste chinafreie Zone sein…

 

    

…doch weit gefehlt. Ich mache mich auf zu Sydneys Fish Market, dorthin wo sich Angler und Fisch gute Nacht sagen. Ich betrete ein riesiges Areal, voll mit Fisch-LKWs und Fischhallen, die alles führen, was im Meer Rang und Namen hat. Sehr frisch, sehr ansehnlich, sehr lecker. Schnell schlage ich mich, wie man mich kennt, zur Fressmeile durch, um Meeresfrüchte und Co zu finden. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass die Halle mit den ganzen Fischgeschäften, Buden und Ständen völlig überfüllt ist – mit Chinesen. Ungelogen habe ich das Gefühl im Reich der Mitte über einen Markt zu schlendern. Unglaublich, unvorstellbar und doch wahr – auch hier lebt China! Schwer genug sich durch Chinesen zu drängeln, schaffe ich es dann aber doch, vorbei an der Auslage von Scampi, Shrimps und Tiger Prawns, hinüber zu Calamari, Oktopus und Tintenfisch, weiter zu Mies-, Jakobs- und Herzmuschel, elegant um Schwertfisch, Wolfsbarsch, Lachs und Konsorten herum, direkt zum Grill & Fries Stand. Hier erstehe ich einen Seafood Kebab mit Pommes und drängle mich vorbei an Asiaten und Wasserbecken gefüllt mit Hummer, Monsterkrabben & Co, ins Freie und genieße bei Scampi, Oktopus und Lachs den blauen Himmel mit Ausblick auf einen kleinen Hafen. Es bleibt mir ein Rätsel wie alle drei Komponenten gleichzeitig den jeweils perfekten Garpunkt erreichen konnten - ist aber egal, denn es ist viel zu lecker und saftig, um darüber sinnieren zu können.


 

  

Ich schließe den Nachmittag im Botanischen Garten, der ein grünes Wunderwerk inmitten der Großstadt ist. Mit so viel Liebe und Genauigkeit angelegt und gepflegt, lässt er einen völlig vergessen, dass man sich direkt in einer Großstadt befindet. Nur die Wolkenkratzer, die zwischen den Palmen und Feigenbäumen durchspitzen, rufen einem die unmittelbare Nähe zum Boomen der City wieder ins Gedächtnis. Und doch: Eine Oase der Stille und Entspanntheit. Überall verteilt sitzen und liegen Touris wie Einheimische unter Bäumen und lesen ein Buch, machen ein Schläfchen, lassen das Leben vor den Toren zurück und entfliehen für kurze Zeit der Hektik.

   

Das alles, diese Kombination ist es, die Sydney so besonders und in meinen Augen so liebens- und vorallem so lebenswert macht. Ich fühle eine unwahrscheinlich hohe Lebensqualität zwischen einer Großstadt, die durch viele Nationen Einflüsse erfahren hat und der Natur, die sich genau in dieser immer ihren Platz erhielt. 

22.2.16 05:40


Sydney. Love from the first sight.

Australien also. Gut, Sydney. Viel zu früh morgens für meinen persönlichen Geschmack lande ich in Downunder, in Sydney, gleich neben den Kängurus. Hingegen der verstörenden Aussage des netten deutschen Check-In-Beamten  klappt das mit der Einreise schnell, unkompliziert und äußerst freundlich. Zack, rein in den Zug, zack in der Stadt. Um halb neun erreiche ich das Hostel, der Tag liegt vor mir.

Aus einem nicht erfindlichen Grund bin ich sofort zu Hause, bin begeistert, freudig aufgeregt wie beim ersten Date. Ich schweife also los, natürlich Richtung Hafen, mit dem tollen kostenlosen Sydney Guide unterm Arm, immer geradeaus, straight on. Ein 30 minütiger Marsch wurde mir angekündigt, wie ich mich kenne werden es einige mehr, da ich sicherlich vieles zu bestaunen und fotografieren habe. Vom Bahnhof geht es durch die Ausläufer von Chinatown –verhungern werden wir also schonmal nicht- weiter Richtung Hafen, durch eine Mischung aus britischem Kolonialstil und moderner Großstadt. Entlang einer wild befahrenen Straße –schonwieder mit dem lustigen Linksverkehr- die doch von einer Allee grüner Bäume gesäumt ist. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein angenehmer Wind geht, der die Nase auf die genau richtige Temperatur herunterkühlt.

Nach einem völlig zeitlosen Marsch, denn die Uhr habe ich ja abgelegt und gegen das Leben eingetauscht, öffnet sich am Ende der Straße der Blick und man kann den Hafen schon erkennen. Durch die U-Bahn-Brücke hindurch, durch den kleinen Park mit den Bäumen und ihren flatternden Blätter in der Brise, tut sich der Anblick gleich beider Wahrzeichen der Stadt auf: die Oper und die Harbour Bridge. Zu meiner Rechten die einzigartige Architektur der weisen Hütchen des Opernhauses, zu meiner Linken der massive und doch ehrwürdige Stahl der Brücke. Eingebettet in ein fröhliches Treiben der Menschen und Boote, des bunten Mixes der Bewohner und des Schiffsverkehrs. Die Promenade ist belebt, nicht überlaufen, wuselig, aber nicht gehetzt, einfach so am Leben, zum Verweilen einladend. Ergo: noch mehr Bilder, noch mehr Fotos, eine Kulisse die man einfach einfrieren möchte, in Stein meißeln, schlicht festhalten, für immer verweilen.

Ich schlendere mich durch, bis in die Rocks, ein kleines feines Viertel direkt am Hafen, errichtet von den Briten bei ihrer Ankunft in Sydney. Mit dem Charme der Kolonialzeit und einem Touch Fischerdorf lädt es heute zu einem Straßenmarkt ein – perfekt. Handgemachtes und Abgefahrenes, Schmuck und Taschen, Maiskolben und Manschettenknöpfe, Kleider und Kleinigkeiten. Dazwischen viele, überwiegend festinstallierte Futter-Shops mit tollen frischen Produkten, verarbeitet zu Sandwiches, Falaffeln, Salaten und einem Bayerischen Löwenbräu Haus…so viel Touri darf also doch sein. Wichtig und nicht zu vergessen: die alten Pasty Shops, aus denen es nicht nur herrlich nach Teig und Butter duftet, die auch unfassbar leckere Pasteten mit allem möglichen und unmöglichen, immer aber unglaublich leckerem Inhalt servieren. Ich entscheide mich ohne weitere Ahnung für Australien Sausage. Der Teig perfekt knusprig und buttrig, die Füllung herrlich herzhaft, keine Wurst, mehr eine cremige Masse aus Wurst, Gewürzen und dem gewissen Etwas. Diese kleine Sünde genieße ich mit Blick auf den Hafen und die gegenüberliegenden Häuser, die traditionellen Fähren und die neidischen Möwen. So ist es also, wenn beim ersten Date alles glatt läuft…ich freue mich auf die nächsten Tage, auf meine kommenden Dates mit dieser Stadt…

 

  

  

 

 

 

 

 

 

 

21.2.16 00:26


Eat. Pray. Love. vs. Eat. Drink. Sleep.

Meine Uhr habe ich schon seit längerem abgelegt. In KL war sie einfach unpraktisch, jetzt brauche ich sie nicht mehr. Man chillt eh so in den Tag hinein, ohne Verpflichtung, ohne Stress, es ist sowieso fast alles 24h möglich. Auch die Hostelküche hat nachts um 3h noch offen, falls man nach dem Feiern doch noch ein Hüngerchen hat, geht immer noch eine Portion gebratener Reis mit Satey-Spießen…

…da ist man fast aufgeregt, wenn man wegen eines „Vorfalls“ aus dem 8er Zimmer höflich ins 20er Zimmer umquartiert wird. Was man am Ende des Tages dankend annimmt, denn das alte Zimmer gleicht einer Chemiefabrik, ohne Schutzmaske nicht länger als 2min betretbar. Kurzum: Vernichtung von Bettungetüm. Mehr wollen wir auch garnicht wissen, Kimmie und ich schmeißen unsere Sachen in den Rucksack und treten gerne die Flucht nach vorne an.

…und man möchte doch nur ein bisschen Schlaf nachholen am Strand. Doch das sehr verkaufstüchtige Völkchen dieser Insel sieht das gemeinhin anders. Schon beim Betreten des Strandes muss man die erste Hürde der Getränkeverkäufer überwinden, die einem, egal ob man schon ein Bier in der Hand hat oder nicht, mindestens noch ein zweites verkaufen wollen. Danach gilt es die Strandliegenvermieter abzuwimmeln, die einen gut und gerne bis zu seinem beschaulichen ausgeguckten Plätzchen verfolgen. Liegt man erstmal, glaubt man nur fälschlicherweise, dass man das Schlimmste schon überstanden hätte. Denn jetzt kommen Surflehrer, die Hutverkäufer, die Tanten mit dem Schmuck, den Tüchern etc. Am besten schlafend stellen oder wirklich schlafen, das schützt. Manchmal hilft auch lesen und mit der Hand fuchteln. Ansonsten lässt es sich hier ganz gut aushalten. Auf dem Heimweg gibt es dann immer noch ein schönes westliches Eis von DQ mit Oreo!

 


...schließlich lernt man auf solchen Reisen auch immer mal wieder die Vorzüge des eigenen Landes kennen. Natürlich auch die der anderen, doch es gibt Situationen, in denen ist man eigentlich ganz froh, dort herzukommen, wo man denn so herkommt…eines nächtlichen Streifzuges durch die Bars, Kneipen und Clubs mit Kimmi und jetzt auch ihrem Kumpel Ruben, mehr oder weniger bereits auf den Nachhauseweg, treffen wir auf der anderen Straßenseite auf den Beginn einer wunderbaren – nicht Freundschaft, aber Schlägerei. Erstens möchte ich dazu sagen: Der Mensch ist definitiv ein Primat! Und zweitens: Da gehen also so ein paar besoffene Westliche aufeinander los und prügeln aufeinander ein was geht. Soweit, so gut. Die Polizei ist auch schnell vor Ort, gleich mit der Automatischen im Anschlag. Soweit nicht schlecht. Doch wenn jetzt einer glaubt, dass die auch nur einen Finger krumm machen, auch nur den leisesten Anstand machen würden die Situation zu entschärfen, irrt bei Weitem! Das einzige was die Herrschaften machen, ist die tobende Menge in Schach zu halten, sodass ja keinem die Sicht auf das Event versperrt bleibt. Irgendwelche Dazugehörigen kriegen die zwei Primaten dann doch noch auseinander und schaffen sie davon. Ein Mädel vom Club kommt mit einem Besen raus und wischt routiniert das Blut vom Bordstein in die Rinne. Wie gut, dass es davor geregnet hatte, so geht es viel leichter…

 

P.S.:  Unerhörtes und Bemerkenswertes von und mit dem Maulwurf Part VII

Liebe Leser,

ich möchte mich heute hier nur ganz kurz einschalten, zum Thema Regional vs. Original. Steht fast dasselbe drauf, ist angeblich dasselbe drin, kostet nur im Original 4mal so viel wie der regionale Fake. Laut Reisebegleitung ist der Geschmack gleich ekelig – nach dem Kosten hat sie sehr lange, sehr schnell und äußerst hibbelig darüber gesprochen! Ich glaube ihr mal…

 

15.2.16 01:35


No thank you. Really, no thanks. Oh man, fuck off!

Bali. Vier Tage Bali und ich sehe eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich mache vier Tage Sightseeing-Stress um das Maximum, wie man so schön sagt, rauszuholen, oder ich begnüge mich vier Tage lang mit mir, Shopping, Strand, Essen, Party, Schlafen, Shopping, Chillen, Essen, Strand…ich entscheide mich frühzeitig für Zweiteres.

Ich habe das Zimmer kaum betreten springt hinter mir ein wasserstoffblondes All American Girl durch die Tür und schreit: Haaaaaaaaaaiiiii, I am Kimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiie. Schönen guten Abend, ich wohne hier wohl auch. Doch man kann nichts sagen, Kimmie ist sehr nett, wirklich nett – nicht wie der kleine Bruder von Scheiße. Und am liebsten redet sie. Immer, die ganze Zeit am schnattern, ein schneller Blick aufs Smartphone, weiter geht’s. Wir beschließen also uns erst einmal zusammen zu tun, was für den nächsten Morgen bedeutet, einen gemeinsamen Singsang aus „Oh my god“, „Unfuckingbelivable“ und „I’ve never seen so much water in my whole fucking life“ anzustimmen – ja, es regnet. Nein, ich möchte korrigieren: die Niagarafälle sind über Bali hinweggezogen. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, das zwangsentschleunigt! Und um die Entschleunigung perfekt zu machen, beschließen wir gegen Mittag, dass es Zeit für eine Massage ist. Die lange Blonde –in diesem Fall Kimmie- checkt die Bewertungen im Netz, Schirme werden aufgespannt, Schwimmflügel angezogen, nur 7min sagt Google. Wir schwimmen also los, das Wasser steht bis zu den Knöcheln auf der Straße, es geht nur mit Flipflops, alles andere wäre sofort durch, nur spritzen die beim „schlappen“ wunderbar das Wasser bis zum Hintern, ergo ist dieser nach circa 3 Laufmetern durchnässt; ein Glück ist meine Hose weis! Wir schlendern, hopsen, waten also die hoch frequentierte Einbahnstraße mit den zahllosen Straßenshops und Souvenirbuden, Mini-Markts und Surfshops entlang, mit dem ständigen Klang im Ohr: „How are you. Yes please, wanna look. Good price, good price. Very cheap.“ Bereits jetzt tun sich die kulturellen Abgründe zwischen Amerika und Deutschland auf. Kimmie hat für jeden einzelnen Straßenverkäufer ein: „Fine, thanks how are you today. Oh no, we don’t need anything. Thank youuuuu.“ übrig. Ich habe meine Reaktion nach circa 10 Shops aus ein nuscheln von „No, thanks.“ reduziert und empfinde sogar da noch als zu viel. Die Frau hat meinen Respekt.

Wir folgen ganz brav der Googleanzeige auf dem Handy, jetzt links, dann geradeaus und eigentlich müsste es genau hier sein: Wir stehen vor einer Maur die ein brachliegendes Stück Land eingrenzt! Nur nicht entmutigen lassen, liegt bestimmt an uns, einfach mal fragen. 95% der Befragten verstehen unser Anliegen leider garnicht und möchten uns lieber etwas verkaufen, ein einziger erklärt uns, dass wir in der falschen Straße seien. Also doch, nochmals ums Eck geschwommen…wir stehen vor einer Vielzahl von Shops; Handys, Tattoos, Krimskrams, Nippes, Essen, mehr Tattoos, aber kein Spa! Und wenn, dann nicht das, das wir suchen. Wir schlendern also noch ein bisschen, versuchen krampfhaft besagte Massage zu finden, nach mittlerweile 40min und keinem trockenen Stück am Leib, laufen wir am 1200sten Ramschladen vorbei, mit dem 1200sten: hey, hello, wanna buy, wanna buy, lady, look, look, bleibt Kimmie gewohnt ruhig mit einem No, thanks, we are fine, have a great day. Wir diskutieren weiter was zu tun ist, der Typ spult seinen Text wieder ab. Mit amerikanischer Freundlichkeit und leichtem Nachdruck sagt sie: „No, we really need anything, thanks.“ Das Spiel geht weiter, wir versuchen unsere Lage zu umreisen und dringend zu verbessern, als der geschäftstüchtige junge Herr immernoch seinen Text aufsagt und selbst meiner überhöflichen Bekanntschaft der Kragen platzt: „Oh man, fuck off!“ Alle sind still, alle haben große Augen, sogar Kimmie, dann gehen wir einfach weiter, haben schnell ein anderes Spa gefunden und lassen uns für je 6EUR eine Stunde von oben bis unten durchkneten…hart verdient, aber unverschämt gut! Danach gönnen wir uns erstmal ein paar Froschschenkel und ein Goldfischglas voll mit einem Cocktail…zur weiteren Beruhigung der Nerven natürlich.

 

 



9.2.16 12:59


Unerhörtes und Bemerkenswertes von und mit dem Maulwurf Part VI

Liebe Leser,

den ein oder anderen wird es überraschen und vermutlich überrascht es mich selbst am meisten, doch ja: Ich bin wieder mit an Bord, auch in Runde 2! Einer muss den Laden ja zusammenhalten. In diesmal noch fremderen und vielleicht damit auch noch unerhörteren bzw. bemerkenswerteren Gefilden, in die es und verschlägt…

…das heißt erstmal KL. Und das heißt, erstmal der sanfte und daher nur bemerkenswerte Einstieg, denn außer dem Fakt, dass sich mein Fell aufgrund von 98% Luftfeuchtigkeit bei 35 Grad bereits kräuselt, gibt es nichts Unerhörtes zu beklagen.
Daher zum Bemerkenswerten in KL, dem KL das wir erleben. Die Reisechauffeuse befand es als gelungene Idee bei den gerade angemerkten äußeren Umständen eine „Outdoor-Aktivität“ zu unternehmen: den Besuch des größten „Open Air Vogel Freiflugparks“ der Welt. Kurzum: Man nehme ein unfassbar großes Netz, spanne es quer über KL, stecke 100 verschiedene Arten an Vögeln und dazu ein paar menschliche Vögel drunter und fertig ist die Attraktion. Doch bei aller Skepsis muss ich sagen, dass es tatsächlich ein bemerkenswertes Gebilde ist – und das Federvieh erst! Unvorstellbar, vorallem für jemanden der natürlicherweise entgegengesetzt, also Untertage wohnt, was da so alles durch die Lüfte gleitet. An Farbenpracht, Größenvariation und Schnabelreichtum fehlt es hier sicher nicht! Darüber hinaus ist die optische Aufmachung auch garnicht schlecht, so mit tropischem Grün, plätschernden Bächen hier, ein üppiger Wasserfall dort – und Vögel. Die meisten davon auch direkt vor der Nase, vor den Schnurrhaaren, nichts von wegen eingesperrt, die wenigsten leben hier in separaten Käfigen. Das wirkt sowohl ein wenig befremdlich, kann man die Reaktionen der kleinen Flugsaurier doch meist nur schlecht abschätzen, als auch zeitweilig ein wenig gefährlich für die Freunde der Lüfte, muss man mit jedem Schritt doch schauen wo man hintritt!
Alles in allem muss man zugeben, sie sind alle da, von der Taube bis zum Flamingo, vom Adler bis zum Uhu, vom Pfau bis zum Kranich. Nicht zu vergessen die lustigen bunten Kollegen von auswärts in allen Farbspektren dieser Welt.
Und doch, auch hier ist es heiß, heißer, KL. Im Tunnel des Wasserfalls finden wir kurze Erleichterung, Linderung der Hitze. Da möchte ich doch mal anmerken, dass ein Maulwurf Untergrund Park bei diesen Temperaturen sehr viel angenehmer für die Menschheit wäre…und für mich – nur wohl nicht ganz so farbenfroh!

 

 

 

Der Maulwurf

Warum ich in dieser Szenerie sitze? Da ich mich geweigert habe, mich dem Fressfeind absichtlich und mutwillig vor die Füße zu werfen – auch wenn es unerhörterweise von mir erbeten wurde. Da bleib ich lieber bei den bunten Hindus, das erscheint mir sicherer.

 

5.2.16 17:09


KL. Zwischen Rohöl und Indianer Jones

Wie einige asiatische Großstädte die ich bereits kennenlernen durfte, ist auch KL ein wilder Mix aus Tradition und Moderne, usselig und chic, sehr groß und sehr klein, bunten Märkten und kolonialem Baustil.

Streift man durch Chinatown, könnte es in den engen Gassen, vollgestellt mit Verkaufsständen von echt gefälschten Markendingen, über lokalem Krimskrams und Chic, bis hin zu nie gesehenen Elektronika und Dingen, die die Welt vielleicht doch nicht braucht, nicht authentischer zugehen. Würde man mir sagen, es ist Shanghai – ich würde es nicht konsequent verneinen. Dazu kommen natürlich die ganzen Fressstände, chinesischen Zeichen und die Chinesen, die in ihrer doch recht eingänglichen Landessprache über die Verkaufstische hinwegschreien. Zwischen Wellblechbehängen und chinesischer Nudelsuppe fühle ich mich doch einfach ein bisschen zu Hause…

   

…weiter geht’s mit der Monorail (besser bekannt als Einschienenbahn) zum KLCC Park – zu den berühmten Petronas Twin Towers. Wie in allen nur verfügbaren Ecken ist selbstverständlich auch hier unten ein riesiges ShoppingCenter integriert. Selbst im Bahnhof, Flughafen, einfach zwischen drin: monströse, bestens klimatisierte und mit Kunden vollgestopfte Shopping Malls alla Asien eben. Doch zurück zu den Türmen, zurück zum Rohöl. Standesgemäß, wenn man dann schonmal hier ist, buche ich die Tour, einmal hoch in den 41ten Stock für den Skywalk, dann geht’s weiter in den 86ten zur Aussichtsplattform. Und das ist schon stark beeindruckend – man kann fast bis nach Hause schauen. Und hier wird es klar: moderne Hochhäuser, indische Tempel, kleine Baracken, muslimische Moscheen, viel tropisches Grün, Züge dazwischen, Autos, Motorroller und ganz am Ende: Natur, Wald, Felsen. Alles zu sehen von einem, naja eigentlich zwei Gebäuden aus, die NUR mit Rohöl und artverwandten Firmen vollgestopft sind. Mitarbeiterzahlen im fünfstelligen Bereich, bis unter’s Dach mit dem besten Hightech ausgerüstet…

     

…zurück zur Natur, zurück zu den Felsen. Nur eine halbe Stunde Zugfahrt entfernt liegen die Batu Caves. Hier findet man mehrere Hindu-Tempel und sehr viele Inder auf einem Haufen, die sich in einer Indianer Jones Szene bewegen zu scheinen. Ankunft am Bahnhof: Lärm! Ohrenbetäubend! Ich steuere geradewegs in einen indischen Markt hinein, der voll, heiß, stinkig und laut ist – und das auf eine Art, die ich nicht kenne, denn Indien ist nicht mein Fachgebiet. Also hinein beziehungsweise durch, um an den Ort der Begierde zu kommen. Die Farben scheinen sich nahezu zu überschlagen, tragen doch alle Frauen diese tollen, langen und vorallem farbenfrohen Gewänder! Dazu kommen die ganzen Stände, einige verkaufen Bollywood-Musik – und das hört man. In einer unfassbaren Lautstärke dröhnt es aus den Lautsprechern, die dem Sound kaum standhalten und durch Knarzen und Krachen im Hintergrund ihr Leid kundtun. Die Gerüche ist meine Nase leider so garnicht gewohnt, was meinen Schritt versucht zu beflügeln, jedoch zu viele Menschen. Vielleicht zu viel Curry, vielleicht zu viel Frittiertes, einfach zu Indien für mein chinesisches Näschen. Ich tat mein bestes weltoffen zu sein, doch bei 38Grad und brennender Sonne, wehrte sich mein Instinkt vehement gegen open minded, nur weg. Doch schließlich geschafft: Eine richtige indoor Höhle mit diversen Szenen aus der Hindu-Lehre wartet auf mich, daneben 272 Stufen hinauf in eine recht offene Höhlenkomposition, gespickt mit diversen kleinen Tempeln. Es sieht ungelogen aus wie eine Szenerie aus Indianer Jones; mir wurde nicht zu viel versprochen. Die Höhe und Felsformationen sind schwer beeindruckend und lenken fast von den bunten Tempeln ab. Der Hinduismus ist definitiv bunter als wir, bunter als alles was ich bis dahin kannte. Und es scheint mir alles sehr friedlich. Auch wenn alle wuseln und unfassbar viele Menschen auf einem Haufen anzutreffen sind, sie wirken ruhig, gelassen und friedlich. Ich setze mich in der größten Höhle oben auf die Treppenstufen und beobachte einfach eine halbe Stunde lang die Szene. Sitzen, schauen, sitzen, schauen…den Weg zurück durch den Markt nehme ich schon viel gelassener. Vielleicht ist ja doch was dran, an anderen Religionen, oder einfach an der Magie mancher Orte.

       

Alles in allem ist KL soweit ein ziemlich bunter Haufen, doch sehr viel religionsgetriebener als die asiatischen Großstädte, die ich bis dato kenne. Starke muslimische Einflüsse sind überall zu sehen, auch die Buddhisten sind weitläufig vertreten, andere Religionen kaum sichtbar. Und man muss sagen, dass dies schlichtweg sehr sichtbare Religionen sind: Über die bunten Gewänder hatten wir ja bereits gesprochen, doch auch sehr viele verschleierte Damen sind hier anzutreffen; mal mehr mal weniger, mal kann man erahnen was oder wer dahinter steckt, manchmal definitiv nicht. Und ja, man fühlt sich als Europäerin  -und gerade als aktuell blonde- doch recht stark beobachtet…aber meine asiatische Begleiterin findet das höchst amüsant, also ich besser auch.

 

3.2.16 11:35


Elsa, das Essen und ich

Elsa klingt in meinen Ohren wie ein urdeutscher, vermutlich urbayerischer Name für eine Kuh. Doch weit gefehlt, Elsa ist meine indonesische Mitbewohnerin in meinem Zimmer. Ihres Zeichens 1,56m groß, 30 Jahre alt, sieht aus wie 12, ist süchtig nach ihrem Farming-Spiel auf dem Tablett und kichert was das Zeug hält – also genau meine Kragenweite! Dazu kommt, dass sie KL wie ihre eigene Westentasche kennt.
Am liebsten gehen Elsa und ich zusammen essen! Nach dem Aufstehen planen wir den Lunch, beim Lunch das Abendessen und wenn wir gerade nicht planen, dann essen wir und können nicht sprechen. Und ich weiß, man fotografiert Essen nicht und dies ist auch kein Food-Blogg; aber dennoch: heute geht’s um die Wurst! Naja, eigentlich eher um die Nudeln…

Mit größter Begeisterung stellen wir fest, dass Chinatown nur einen Katzensprung entfernt ist und wir wirklich authentisches Essen direkt vor der Tür haben. Doch egal wo: es ist unfassbar günstig, fast billig. Also streifen wir durch die Streetfood-Markets, bei Tag wie bei Nacht, bleiben in den usseligsten Food-Courts hängen, schaffen es manchmal sogar in eine anständige Mall, immer mit dem Auftrag das beste Futter für die aktuelle Stimmung zu finden. Meistens ist es nicht nur heiß und stickig, es riecht an allen Ecken und Enden nach Knoblauch, Gewürzen, mal verbrannt, dann nach frischen Früchten. Ein Schwall nicht mehr ganz so frischer Fisch zieht vorbei und vermischt sich langsam mit dem fettigen, leicht tranigen Geruch des Bacon-Standes nebenan. Ein herrliches Durcheinander, das ab und an mit einem Hauch Kloake gespickt wird.
Hinzu kommt natürlich eine komplette Reizüberflutung für das Auge, das nicht nur das Ausweichen der vielen Menschen koordinieren muss, sondern auch die vielen bunten Spieße, Früchte und zusammengeschusterten Food-Wagen einzuordnen versucht. In diesem Getümmel rauscht Elsa, geschwind wie eine Spitzmaus, durch die Masse und man hat Not ihr an den Hacken zu bleiben. Doch heute weiß ich wo sie spätestens wartet, wie gestern, an unserer neuen Lieblingsgrillspeise: Austern vom Grill. Mit Schnittlauch und Erdnüssen. Heute gibt’s dazu auch noch ein paar scharfe Hühnerfüße.
Dem Gaumen gefällt es hier ausgezeichnet, alles schön scharf, mal mehr sauer, dann ein bisschen bitter mit einer Note süß. Mein Favorit: Assam Laksa, eine sauer-scharfe Fischsuppe mit Nudeln. Diese hier hatte auch kleine Ananasstück mit drinnen und ein wenig Koriander obendrauf. Alles ordentlich mit Knoblauch verfeinert und kleinen getrockneten Sardellen abgerundet. Hier freuen sich Augen, Nase und Gaumen gleichermaßen. We love it.

Zu gerne würde ich noch weiter philosophieren, doch wir müssen los, Elsa wartet schon – nicht, dass das Essen kalt wird…

 

1.2.16 16:00


„Thanks for flying with Srilankan Airlines“ oder: Wie man überhaupt erstmal in die weite Welt hinein

Ich versuche also ein zweites Mal die Welt zu erobern, natürlich ohne sie zu erobern. Noch immer haben andere Menschen vor mir bereits alles gesehen, was ich sehen werde – aber für alle kommenden Stationen wird es mein erstes Mal sein.

So geht es los, eines schönen Januarmorgens Richtung Frankfurt, und schon sitze ich im Flieger nach Kula Lumpur über Sri Lanka. Ein Zwischenstopp, 3.30h Aufenthalt, das passt.
Ich finde mich in der Srilankan Airlines Maschine und stelle nicht nur fest, dass die Stewardessen hier ein bisschen indischer Aussehen (Ich an deren Stelle möchte im Übrigen keinen Notfall mit den langen Gewändern miterleben!), auch gibt es hier richtig echtes Besteck selbst für die Holzklasse und eine spitzenmäßige Getränkekarte: Eine breite Auswahl an Alkoholika steht zur Verfügung, Fruchtsäfte und alkoholfreie Getränke gibt es auf Anfrage! Großartig! Bloß nicht anfragen, keine Umstände bereiten, schön an den alkoholischen Köstlichkeiten orientieren.

So ist man zack, auch schon auf Sri Lanka und zum ewigen Warten morgens um 4.00h verdonnert. Doch man hat ja Zeit, man ist ja im Urlaub, man steht voller Vorfreude am Security Check an, denn das Gate ist irgendwann dann doch weitläufig als open ausgeschrieben. Eine gute halbe Stunde steuert man so auf zwei dilettantisch anmutende Sicherheitskontrollen, mit vier noch viel dilettantischeren Gates dahinter, zu. Doch der eigentlich Spaß ist nicht, dass einfach alle nur ihre Schuhe ausziehen, weder Flüssigkeiten noch Laptops aus den Taschen geholt werden müssen, oder Getränke in allen Größen und Farben schlicht durchgewinkt werden, nein – der Spaß ist, dass man nach 30min Anstehen, schon halb beim Ausziehen, gesagt bekommt, dass sein Gate an den kleinen Bildschirmen über dem Security Check noch nicht ausgeschrieben ist und man sich daher bitte wieder hinten anstellen möge… Ich blicke also zurück, zurück in die Schlange, in die ungeduldigen und unausgeschlafenen Gesichter der anderen Passagiere, in denen ein leichter Unterton von Aggression schwelt. „I just wait here“, lasse ich die Dame wissen, trete einen Schritt zur Seite und mache mit fester Miene meinen Standpunkt klar. Sie verdreht die Augen und geht weiter ihrer Arbeit nach. 1:0 für mich.
Geschlagene 10min vor Boarding kommt schließlich eine aufgeregte Gewandträgerin herbeigeeilt um in aller Stille und nicht zu offiziell zu verkünden, dass unser Flieger 1.45h Verspätung hat. Auf dem Tableau war es daher auch noch lange nicht angeschlagen – wie ich später erfuhr, wusste es meine Mutter aus dem Internet aber bereits geraume Zeit vor uns…Willkommen auf Sri Lanka.
Es beginnt also das endlose Warten, die Übermüdung, der Wunsch nach Essen, Schlafen, Klo. Bis auf Schlafen kann man Abhilfe schaffen. Ich treffe an der netten Security Station zwei Berliner, Jonas und Johannes (in meinem Zustand nenne ich sie beide einfach Justus Jonas), mit denen ich mir die Zeit vertreibe. Und da wir trotz aller Schlaflosigkeit gewitzte Leute sind, stehen wir auch schon umgehend am Traveller Desk von Srilankan Airlines und feilschen um einen Frühstücksgutschein. Aber nein, erst ab 2.00h Verspätung, davor gibt’s keinen Tropfen Kaffee gratis. Wir bleiben hartnäckig, der junge Herr am Schalter hartnäckiger, wir werden angespannt, er wird angespannter, wir ungehobelt, er…schreit uns lauthals hinterher, als wir ihn einfach stehenlassen und unserer Wege gehen: „Thanks for flying with Srilankan Airlines!“
Schließlich in KL, mit Frühstück im Flieger und 2.00h Verspätung (Wir haben überlegt, die Gutscheine im Nachhinein doch noch anzufordern!), teilen wir uns ein Taxi in die City. Mir wurde vor Beginn meiner Reise gesagt, eigentlich sei es schwerer alleine zu bleiben, als jemanden kennenzulernen – tatsächlich.
So denn, KL hat mich mit Sack und Pack empfangen. Wir sind gespannt wie sich KK und KL vertragen…


31.1.16 17:00


KK on Tour Part II

Liebe Leute, es geht weiter! Gerade in Kuala Lumpur gelandet, geht's bald nach Bali, Sydney, NYC und Barbados. Wünsche, die mitgebracht werden sollen? Also Dinge, die in einen Rucksack passen? Dann bitte eine Nachricht an die altbekannte Adresse...

29.1.16 03:27


Unerhörtes und Bemerkenswertes von und mit dem Maulwurf Part V

Liebe Leser,

das Unerhörteste aus meiner Warte zuerst: Ich sitze hier seit Tagen und Wochen auf heißen Kohlen, dass ich endlich wieder etwas berichten kann und Madame Reiseleitung plant lieber schon weitere Reisen, Flüge, Schnickschnack. Sie weicht einfach nicht vom Laptop, keine Chance an die Kiste ranzukommen. Habe jetzt Ihren Reisepass versteckt, also natürlich verbuddelt, wie es sich für einen anständigen Maulwurf gehört und mir das Laptop geschnappt. Die sucht ja jetzt erstmal…

…also zurück, zurück nach Malta. Hier war tatsächlich das einzig Unerhörte, dass es nichts Unerhörtes gab! Hier ist einfach alles schön und toll und überhaupt großartig. Damit kann ich eigentlich garnicht arbeiten, aber so ist es nun mal. Die Menschen sind nett, das Essen ist lecker, die Sonne scheint mir jeden Tag auf den Pelz, wir düsen mit bestechender Lässigkeit linker Hand über die Insel. Und doch ein kleines Highlight: Gozo. Gozo ist Malta in klein und noch ein bisschen toller, komprimierter, grüner, heimeliger. Und es hat, im Gegensatz zu Malta, eine super Marketingkampagne. Man kann hier alle leckeren Futterprodukte –die es auch auf Malta gäbe- bestens gebranded an jeder Straßenecke erntefrisch, mal mehr, mal weniger günstig erwerben.

Leute, da ich heute mal nur einen kleinen Herzkasper vor Begeisterung bekomme und mich kein Grund ereilt, mich über etwas zu echauffieren, lasse ich euch einfach im großen Stil visuell teilhaben. Ich sehe derweilen der Chauffeuse noch ein bisschen beim Suchen zu und verspreche euch, ihr den Pass rechtzeitig für den nächsten großen Trip Ende Januar wiederzugeben. Also, nicht verpassen – 27.01.2016 geht’s gen Osten, bis wir einen Monat später -einmal rum um den Ball- auf Anfang zurück sind!

Der Maulwurf

 

  

  


  

 

 

17.1.16 11:27


Widersprüche, Mischmasch, Gegensätze, Kauderwelsch.

Schon aus seiner Historie heraus überrascht es nicht, dass Malta - war es doch schon von so vielen fremden Mächten besetzt und unter deren Einfluss - ein fröhliches Potpourri an sich und in jeglicher Hinsicht ist. Und doch ist man zeitweilig von den Widersprüchen und Gegensätzen überrascht…

Widersprüche. Die Malteser sind katholisch. Erzkatholisch. Gläubig bis über beide Ohren, immer brav in die Kirche rennen, beten wann und wo es nur geht. Scheidung ist erst seit wenigen Jahren erlaubt, Homosexualität immer noch verpönt. Kurzum: Der Vatikan ist ein liberaler, entspannter Haufen. Doch wehe, wenn sie losgelassen. Trotz aller schönen Heiligkeit und Verklemmtheit, wenn die Malteser feiern gibt es kein Halten. Wenn mal wieder eine Festa für eine Schutzheilige auf einem Dorfplatz ansteht, dann wird „katholisch“ gefeiert was das Zeug hält. Nicht nur, dass alle sternhagelblau sind, nein, die jungen Damen rennen auch schonmal oben ohne rum und preisen dabei die ganze Palette der Heiligen. Gerne ist man in Sachen Einstellung bis obenhin konservativ zugeknöpft, wenn man ausgeht doch im Gegenteil. Man kann hier tendenziell von Glück sprechen, wenn die Damen etwas tragen, was als mehr als ein breiter Gürtel durchgeht und man bei uns Damen in diesem Outfit nicht nur in Rot beleuchteten Vierteln findet.

Mischmasch. Malta und seine Architektur ist ein fröhlicher Mischmasch von arabischer Geradlinigkeit, akkuraten hellgelben Steinrechtecken, die sich penibel aufeinander stapeln, und andererseits mediterranen Schnörkeleien, Eingangsbögen und Wäscheleinen über Straßen. Und diese Straßen sind oftmals herrlich schmal und verwinkelt, klein und gemütlich. Durch den gelben Lemonestone werden sie in ein warmes gold-gelb getaucht, dass jeden blauen Himmel noch viel blauer und strahlender erscheinen lässt. Dazu kommen die farbenfrohen Erker, Eingangstüren und Fensterläden, die wir ja bereits aus früheren Beschreibungen kennen. Das alles schafft ein Stadtbild und ein Gefühl eines arabisch-mediterranen Mischmasch in dem man sich sofort wohl und zu Hause fühlen muss. Persönlich erinnern mich viele Städtchen an die auf Mallorca, heimelige steinerne Örtchen die so vieles vereinen und doch einzigartig bleiben.

Gegensätze. Auf Malta und seiner Tochterinsel Gozo gibt es tolle frische Produkte wie Kapern, Oliven, Tomaten, Auberginen, alle Kräuter dieser Welt, Salz, frischen Fisch und so vieles Schönes mehr. Dazu ein wenig frisches maltesisches Olivenöl, mit ein wenig Knoblauch auf ein geröstetes Brot gepackt. Fantastisch. Und dann: dann hauen die lieben Malteser Chips was geht on top! Ob das unter den Chips eine klassische Speise ist? War sie vermutlich für die meisten mal. Heute essen leider viel zu viele Malteser Burger und anderes Fast Food, Fertigprodukte und Co, dazu immer gerne eine Tüte Chips… Das kleine Völkchen hat so großartige Produkte direkt vor der Haustür und isst doch immer mehr Ami und UK Produkte und wird fetter und fetter. So ist es eben. Jede Besetzungsmacht hat eben nicht nur Gutes und Positives hinterlassen. So bewegt sich die kommerzielle maltesische Küche heute in einem Gegensatz zwischen frischen Leckereien und geschmacksbefreitem Fertigfutter. Welch ein Glück, dass meine Vermieter -ich nenne sie lieber Freunde- nur frisch kochen und das so lecker, dass ich hier sicherlich nicht vom Fleisch fallen werde – auch wenn es selbiges kaum gibt, da Alex Vegetarierin ist. Doch ich bin begeistert, was man auch ohne Fisch und Fleisch so alles zaubern kann! We love authentic maltese food!

 

Kauderwelsch. Wie bei scheinbar allem, so ist es auch ein herrliches Durcheinander in der maltesischen Landessprache. Tatsächlich durch die vielen Einflüsse und Besetzungsmächte geprägt, existieren im Maltesischen, das sich überwiegend aus arabischen Sprachen speist, auch Wortableitungen aus dem Italienischen oder Französischen. So lässt sich beispielsweise das Wort Grazzi für Danke oder Skola für Schule leicht aus der italienischen Sprache ableiten, oder das Wort Bongou für Guten Tag aus dem Französischen. Die Schreibweise an sich erinnert aber an den starken arabischen Einfluss und ist für unser Auge, wie auch die Aussprache für unser Ohr recht ungewohnt. Insgesamt ein fröhliches Kauderwelsch, das aber ein, in meinen Augen sehr sympathisches Bild des Durcheinanders, auf dieser Insel, ja eigentlich diesem Land abrundet.

 

9.1.16 15:57


Vom Autofahren und Kreisverkehren

Man kennt mich. Doch auf Reisen kennt man mich noch besser. Bin ich zu Hause grundsätzlich etwas öffentlicheverkehrsmittellegasthenisch, bin ich auf Reisen doch sehr offen ihnen gegenüber, wenn manchmal nicht sogar von ihnen angetan. Getreu diesem Abenteurerinstinkt, wollte ich mich auch tatsächlich auf das Abenteuer Bus auf Malta einlassen. Wirklich. Ich hatte ernsthafte Pläne.
Ich wurde gewarnt, von meiner Vermieterin wie von Bekannten und Freunden. Die Busse kommen selten bis garnicht und wenn sie dann kommen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch halten – obgleich man sich praktisch vor sie auf die Straße wirft. So praktiziert. Gefühlte 30 Grad in der prallen Sonne, ich an der Bushaltestelle, der Bus kommet, ich führe ungelogen einen Affentanz auf um auf mich aufmerksam zu machen…der Bus fährt vorsichtshalber weiter – ich könnte ja im worst case ein Fahrgast sein! Ich Atme tief durch und erörtere meine Optionen. Option 1: 1 Stunde bei praller Sonne am staubigen Straßenrand auf den nächsten Bus warten. Option 2: Zur anderen Bushaltstelle des Ortes pilgern, zum Flughafen fahren und einen eigenen fahrbaren Untersatz besorgen. Es dürfen Tipps bzgl. meines Vorgehens abgegeben werden…


Nun denn, wer hätte es gedacht, ich stehe am Flughafen und leihe mir ein Auto. Das kleinste das sie haben, wenn möglich bitte auch schon eines, bei dem die folgenden 2.000 Kratzer nicht weiter auffallen. Ersteres ja, Zweiteres nein. Scheiß drauf, wir haben ja Vollkasko ohne Selbstbeteiligung. Also los. Ach ja, da war ja noch was – ich steige versehentlich auf der Beifahrerseite ein. Hier läuft das ja alles andersrum. Auf ins Abenteuer. Doch ich bin erstaunt, es funktioniert erstaunlich gut, das Fahren auf der falschen Seite, denn man sitzt ja sozusagen auch auf der falschen Seite. Die rechte Hand gleitet ein paar Mal ins Leere um zu schalten; das wird sie bis zum Ende dieser Woche noch oft tun. So richtig spannend macht es an diesem Tag jedoch primär das Navi, das lotst mich auf Straßen, die wären bei uns nicht mal als Feldweg zugelassen. Gut, für die Baustellen kann es nichts, doch selbst ohne diese wäre es ein wilder Ritt. So lande ich in einer „Ausgrabungsstätte“, die ihres gleichen sucht und darüber hinaus auch noch maximal steil bergab geht. Am steilsten Punkt befindet sich natürlich auch noch eine 180° Kurve. Es ist so steil und der Untergrund so rutschig, dass das Auto einfach weiterrutscht wenn ich bremse. Gott sein Dank kennen die Schüssel und ich uns auch schon seit 30min! Und dann, endlich unten, alles geschafft, irgendwie rum um die Ecke mit fast ausbrechendem Heck. Straße gesperrt. Zu. Nichts geht. Kein Schleichweg. Keine Option. Gesperrt. Ergo: wieder hoch. Wie? Fragt mich nicht, einmal Vollgas, das Lenkrad rumgerissen wie irre, Augen zu, mehr Gas, es staubt überall, rattert, knattert, knallt. Schlagloch um Schlagloch passieren wir und irgendwie sind wir oben. Angekommen. Ich war mir sicher Kotflügel und Unterboden auf halber Strecke geopfert zu haben…das Gute: Um die richtige Straßenseite musste ich mich bei dieser Aktion nicht kümmern.


Als im am Abend das Auto abstelle blinkt bereits die erste Anzeige im Display. Reifendruck prüfen! Fantastisch, denke ich mir. Ein schleichender Platter. Ich informiere die Leihwagenfirma, man fragt mich ob denn ein Reifen bereits platt sei, ich verneine, man informiert mich weiterhin, dass dieses Modell einen hierbei gerne mal irre führe, ich solle mich wieder melden, wenn irgendwas platt ist. Ich, denke ich. Ich bin für heute platt.
Doch das Problem an der Sache ist ja eigentlich gar nicht, dass man auf der falschen Seite fährt, auch nicht, dass hier Straßen gerne mal so breit wie das Auto selbst sind oder Schlaglöcher haben, die sicherlich bis China reichen. Nein, es ist der Fakt, dass dich hier niemand auf die nicht vorhandenen Verkehrsregeln aufmerksam macht, die man somit selbst erkunden darf – während man rechts abermals vergeblich den Schaltknüppel sucht. Das Wichtigste, was ich erarbeiten konnte, und ich möchte behaupten gen Ende meiner Reise dann auch selbstsicher beherrschte, war das Kreisverkehrfahren. Das funktioniert nämlich zumeist zweispurig. Willst du die erste oder zweite Ausfahrt nehmen, nimm die linke Spur, willst du die dritte oder weitere Ausfahrten nehmen, nimm die rechte Spur. An deiner Ausfahrt dann einfach keinen Blinker setzen, links rüber ziehen und die Ausfahrt nehmen. Versuchst du die dritte Ausfahrt auf der äußeren Spur zu erreichen, kannst du davon ausgehen, dass du ein anderes, nicht blinkendes Fahrzeug in der rechten Vordertür hast, denn: a) rechnet niemand damit, dass jemand die dritte oder weitere Ausfahrten auf der linken Spur nimmt und b) schaut eh niemand bevor er rüberzieht. Ich habe es ausprobiert. Wenn ein Zeitungspapier dazwischen gepasst hat, ist es wohl viel gewesen. Eigentlich muss man nur das korrekte Kreiseln berücksichtigen und: nicht blinken, davon ausgehen, dass die andern nicht mitdenken und ab und an mal hupen, das bringt Freude.


Als ich den Wagen zurückbringe, macht mich der Typi darauf aufmerksam, dass ich links vorne ein paar klassische Kratzer an der Kante verewigt hätte. Ich meinte, dass es bei den Straßen ein Wunder sei, dass an dem Auto überhaupt noch was dran sei, denn ein Jeep sei es ja nicht gerade. Er lächelt und meint: Keine Angst, wenn Mädels wie du einen Wagen normalerweise zurückbringen, sieht er sehr viel schlimmer aus… Ich gehe wortlos.

2.1.16 23:24


365 Tage Beten. 365 Farben in den Straßen. 1 Verfolgungswahn.

Malta. Endlich da, letzte Station, südlicher geht’s nun nichtmehr. Malta. Eine kleine Insel und doch ein ganzes Land. Malta. Weniger Einwohner als Nürnberg, doch ganz groß in Sachen Kirchen. Und tatsächlich gibt es auf Malta mit seiner Tochterinsel Gozo sage und schreibe 365 Kirchen! Nicht nur, dass die Einwohner hier an jedem Tag des Jahres in eine andere Kirche zum Beten gehen können, auch müssten sie die Kirche mit nur 1.160 anderen teilen, sollten doch mal alle gemeinsam zum Herrn gehen. In Deutschland müssten wir im Gotteshaus immerhin mit 1.687 weiteren Gläubigen rechnen. Schließlich konnte ich mir aber doch nicht die Frage verkneifen, was man eigentlich in Jahren wie 2016, also am 366 Tag mache…sie ist noch unbeantwortet. 
Und wo wir schon bei den Kirchen sind, kommen wir endlich auch mal zu Sagen und Mythen. In unserem Dorf steht eine kleine Kirche direkt neben einem großen Erdloch. Die Nachbarin erzählt, dass es entstand, als es hier vor vielen Hunderten von Jahren ein Erdbeben gab und die ganze ungläubige Gemeinde, bis auf eine betende Frau in der Kirche, zu Tode kam. In der Version von Philip, meinem Vermieter, bleibt die gläubige Dame betend in der Kirche, nur war in dem bereits vorhandenen Erdloch ein kleines Dorf mit ungläubigen Anwohnern. Eines Tages kam der Teufel, streckte die Hand aus und holte alle Ungläubigen aus dem Dorf in die Hölle -  nur die betende Frau nahm er nicht mit, denn die war ja noch in der Kirche. So oder so, es lebe der Glaube auf Malta. 
Und weil es so schön ist: An den großen Kirchen gibt es immer zwei Uhren. Eine läuft korrekt, eine steht. Immer zwischen halb und dreiviertel Zwölf. Wieso? Mir wurde von einer alteingesessenen Malteserin glaubhaft versichert, dass der Teufel immer um Punkt 12h kommt. Auf diese Weise denkt er, es sei noch nicht 12h und bleibt somit für immer fern.

Von den 365 Kirchen nun zu den 365 Farben in den Straßen. Auf Malta gibt es ganz großartige, in allen nur denkbaren Farben gestrichene Erker. Sie treten meistens in Scharen oder im Rudel auf, selten einzeln, aber auch dann sehr imposant und doch heimelich. Perfekt abgerundet werden die Erker oftmals durch passende Arrangements der Tür und Fensterläden. Ausnahmsweise gibt es hier nicht mehr zu sagen. Die Farben und das Flair sprechen für sich, ein Klassiker, den man in keinem Stadtbild missen möchte. So schön bunt und so schön gemütlich.

 

Doch einen Verfolgungswahn bietet mir die Insel bei aller Gemütlichkeit vom ersten Tag an. Nun ja, wenn man genau ist: Zwei. Überall, aber wirklich überall ist eine Abwandlung meines Vornamens zu finden. Ob nun als Katrina, Katerin, Katerina, Katherina…sei es als Schutzheilige der Stadt, der Name einer Kirche, der Straße, des Zeitungsladens an der Ecke oder als Tattoo, den Rücken einer Frau zierend. Kein Tag, kein Ort, keine Begebenheit ohne eine Namensverwandtschaft -  für meine Vermieter natürlich ein gefundenes Fressen mich entsprechend oft auf die Schippe zu nehmen. Und wenn du denkst, dass es jetzt eigentlich nicht mehr absurder werden kann, dann begegnest du ihr. Der herb-süßen Limonade, die ein wenig aussieht wie Cola und schmeckt wie eine Fusion von Tonic Water und Fanta. Die den Durst perfekt stillt und mit Gin sicherlich die optimale Mischung abgeben würde. Und sie trägt keinen geringeren Namen als KINNIE. Wer jetzt noch bezweifelt, dass ich auf diese Insel gehöre, den muss ich wohl mal ins Gebet nehmen…für 365 Tage!

 

 

 

29.12.15 21:40


Unerhörtes und Bemerkenswertes von und mit dem Maulwurf Part IV

Auf und nieder, immer wieder und dann noch ein bisschen im Kreis. So, oder so ähnlich geht es mir bei unseren Entdeckungstouren auf Sizilien durch den Kopf.

Das Unerhört natürlich vorweg, meine Leser gleich an dieser Stelle sensibilisieren. Also auf Sizilien nimmt man das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln etwas anders als bei uns in Deutschland, auch wenn wir uns gerne über den Freund DB beschweren. Sonntags geht hier so gut wie garnichts, auch an Feiertagen pflegt man hier lieber den Stillstand -  gut nur, dass beides in unserem Aufenthalt liegt! Wir pflegen an diesen Tagen also das Busfahren, denn die U-Bahn fährt garnicht und wir pflegen das Warten auf den Zug, denn der fährt jetzt noch seltener als sonst. Wir pflegen schlicht unfreiwillige Entschleunigung…

Taormina.

Ihrem Naturell entsprechend folgt meine Reiseleitung mal wieder Spuren verstorbener Dichter und Denker, wie immer bevorzugterweise deren Goethes. Also rein in den schwer zu ergatternden Zug und ab nach Taormina. Soweit, so gut. Wir genießen einen wunderbaren Ausblick über’s Meer, denn die Strecke liegt direkt an der Küste und die Sonne scheint uns auf die Barthaare. Also mir. Der simplen Logik folgend kommen wir mit der Bahn auch auf 0m ü.N. an…schade nur, dass das angestrebte Örtchen auf 204m ü.N. liegt. Also schade für die Chauffeuse, denn ich genieße hier den Ausblick ja nur aus dem Rucksack, für die Fortbewegung ist schließlich sie zuständig. So tingeln wir los, brauchen auch nur gefühlte zwei Stunden, da wir nach jedem Höhenmeter stehen bleiben müssen um neue Bilder aus vermeintlich neuen Blickwinkeln zu schießen. Schließlich und endlich erreichen wir doch den Ort, das Örtchen, die schmalen Gässchen alla Venedig, in den Berg gebaut, was auch die Erkundung Taorminas selbst zu einem fröhlichen Auf und Ab gestalten. Und trotz des ganzen Plagens und Schwitzens, es ist jeden Meter wert; der Ausblick entschädigt alles. Dazu strahlend blauer Himmel, fast zu gut. So gut, dass die Reiseleitung kurzer Hand beschließt, sich aller möglichen Klamotten zu entledigen, wobei die Ballerinaschühchen an sich schon kaum erwähnenswert sind in ihrem Umfang, um sich dann geflissentlich in der Sonne zu grillen. Zur Verwirrung aller Einheimischen! Für die ist jetzt Winter, hier trägt man Stiefel, gerne mal eine Übergangsjacke, oder bei Bedarf schonmal den Pelzbesatz. Auch wenn wir bemüht sind, in der Regel nicht übermäßig als Touristen aufzufallen – heute tun wir es! In unserem kleinen Universum ist jetzt Sommer, in deren ein angenehmer Wintertag. Der Abstieg von einem wirklich bezaubernden Örtchen, das mit gemütlichen Gässchen und einem atemberaubenden Ausblick brilliert, fällt dann allerdings in die Kategorie: Wanderschuhe bevorzugt. Wie erwähnt tragen wir Ballerinas. Einer Abkürzung zuliebe nähern wir uns über Stock und Stein wieder dem kleinen Bahnhof mit dem perfekten Meerblick, der ganz herrlich an einstige Eisenbahnromantik erinnert. Die Bahn hat natürlich Verspätung – wenigstens etwas, auf das man sich auch auf Sizilien verlassen kann!

 

 

Ferrovia Circumetnea.  

Scheinbar stehen wir jetzt auf Eisenbahnromantik, denn wir unternehmen schon wieder einen Ausflug mit dem Zug. Diesmal aber mit einem besonders romantischen Schmalspurexemplar, das an allen Ecken und Enden Rattert und Knattert. Wie der Name der Tour vielleicht schon vermuten lässt, tuckern wir heute einmal um den Ätna, einmal ihre Majestät von allen Seiten betrachten, checken, ob auch noch alles da ist. Bei strahlend blauem Himmel und keinem Wölkchen starten wir die Rundreise und frönen einem gigantischen 360°Anblick mit seinem tosenden und prustenden Mittelpunkt. Planmäßig steigen wir einmal um, in ein noch romantischeres Exemplar, um dann wiederum gesagt zu bekommen, dass wir die letzten Kilometer mit dem Bus zurücklegen müssen. Zu fragen warum, hätte sicherlich wenig Sinn. Soviel Einsicht in die vorherrschenden Verhältnisse haben wir bereits. Wir verwerfen das also und fragen uns lieber wie, wann und vorallem wo! wir einen entsprechenden Bus auftreiben könnten, wie viele Stunden und Nerven es kosten könnte sich durch ein, für Nichtsizilianer undurchschaubares Nahverkehrsnetz  zu wühlen. Auch wenn ich in selbigem, ausnahmsweise mal MEINEM Naturell entsprechend, ganz gut bin. Fragen über Fragen, deren Antwort mit einem wartendem Bus gegeben wird, zu welchem wir vom Schaffner persönlich begleitet werden, Stabübergabe an den Busfahrer, wir steigen ein, nur wir, die Reiseleitung und ich – so lobe ich mir das, das ist noch Service. Wenn sie denn mal Arbeiten die Sizilianer, dann anscheinend für jeden einzelnen Kunden und jeden einzelnen Maulwurf!  

Ein Fazit: Sizilien ist nicht Italien. Doch mindestens genauso eigen, mindestens genauso erkundenswert. Gesehen habe ich zu wenig, das gilt es nachzuholen. Doch es ist ein leckeres Fleckchen Erde mit freundlichen Menschen, die zwar kein Englisch, dafür aber ein inspirierendes Kauderwelsch aus Italienisch und Spanisch sprechen. Bis dato bin ich noch nie so gerne, und mit einem so atemraubenden Ausblick Zug gefahren. Wer die  Möglichkeit hat, sollte ein paar Euros in die Strecke zwischen Messina und Catania investieren! Die Maffia habe ich nicht getroffen, vielleicht waren sie aber auch einfach klug genug mich zu meiden.  

21.12.15 15:26


Ätna. Ihre Majestät lädt zur Audienz.

Bereits am Vorabend erhielt ich die Einladung. Direkt von meinem Balkon aus kann ich Ihre Majestät, wie man den Ätna hier auch nennt, beobachten, um das großartige Lavaspektakel mitzuerleben. Welch bessere Einladungskarte könnte es geben, als einen orange-roten Lavastrom bei Nacht der wunderbar in der Dunkelheit scheint und glimmt, um einem den Weg für den kommenden Tag zu zeigen?!

Also los. Der Vater meiner Vermieterin holt uns um halb neun ab. Uns? Mich und drei ukrainische, mehr oder minder recht gut ausgewachsene Kerle – und dann alle ab in einen 20 Jahre alten Fiat Panda. Dunkelgrün, für seine Tage gut erhalten, schlanke 154.000 km auf dem Buckel, mit gefühlter Knautschzone eines Blatt Papiers. Mehr aufeinander denn nebeneinander rattern wir also zu fünft gen Ätna. Die Kommunikation ist ein fröhliches Kauderwelsch aus Englisch, Französisch und Italienisch; ich werfe darüber hinaus ab und zu spontan ein spanisches Wort in den Raum. Konsequent an unserer Verständigung ist auf jeden Fall, dass kein Satz nicht mindestens Wörter aus zwei oder mehr Sprachen enthält. Dennoch: Es läuft hervorragend. Auch der Panda Richtung Berg. Durch Schlaglöcher so hoch wie der ganze Radkasten brausen wir wie über Kieselsteine – vielleicht in der Hoffnung, dass wir ab einer gewissen Geschwindigkeit darüber hinweg fliegen können. Aber nein, wir fliegen nicht. Jedes Schlagloch erschüttert Mark und Bein.

Schließlich erreichen wir einen kleinen Parkplatz im Nirgendwo. Und los geht’s zu Fuß nach oben. Zunächst noch durch Nadelwald, doch der lichtet sich schnell und die Bäume weichen einer Art Riesenkaktus, der zwar keiner ist, dennoch verdächtig danach aussieht und ebenso stachelt. Der Waldweg weicht einem schwarzen Staub-Sand-Gemisch, welches im Endeffekt zerkrümelte Lava ist. Eine gespenstische Einöde aus blassem gelb-grün und anthrazit stellt sich ein. Darüber legen sich immer wieder kleine Wolkenfelder, die eine Atmosphäre, wie man sie sich in Island nur vorstellt, schaffen. Mystisch, beklemmend, nicht ganz geheuer. Aus der unsichtbaren Ferne hört man das Getöse und Rumpeln des Vulkans. Und plötzlich, völlig unverhofft öffnet sich der dichte Nebel, die Sonne kommt hervor und da ist er: der Krater. Majestätisch thront er am blauen Himmel und spuckt weißen Rauch, schwarzes Gestein und orange-rote Lava, was sich zu einem nahezu unbeschreiblichen Gemisch vereint. Atemberaubend. Rechts geht es steil in die Tiefe, hinunter in eine Art Lavaauffangbecken, welches mit schwarzer erstarrter Lava gefüllt ist. Dazwischen ragen immer wieder andersfarbige Gesteinsbrocken aus der anthrazitfarbenen Masse. Doch wir sprechen hier nicht von der Größe eines Fußballfeldes oder zwei. Es scheint schier unendlich, nicht greifbar. Eine Szenerie alla Herr der Ringe, der Hobbit, wie sie alle heißen. Es wird fotografiert, geposed, geknipst. Näher können wir aufgrund der Aktivitäten leider nicht heran, aber die Explosivität ist es wert, die Naturgewalten direkt vor der Nase.

  

So steigen wir nach getanem Shooting wieder ab und düsen Richtung Heimat. Das geht schneller, denn es geht bergab. Da das Model Panda jedoch anno dazumal noch kein Radio hatte, die Herren in vorderer Reihe aber glauben, dass ein wenig Musik der Stimmung guttun würde, beschließen sie diese kurzum selbst in die Hand zu nehmen. Der Guide setz auf Italienisch an, einer der drei Musketiere auf Französisch hinterher. Erstaunlich, wie viele Lieder es in beiden Sprache gibt, oder jetzt eben kreiert sind. Schallend und ratternd verlassen wir den Ätna. Schwer beeindruckt vom Naturspektakel und den mysteriösen Klängen aus der vorderen Reihe…

14.12.15 19:29


Catania. Stadt der 1000 Märkte. Stadt der 1000 Snacks. Stadt der 1000 Autowerkstätten.

Ich bin in Italien und doch definitiv auf Sizilien. In der von mir erwählten Stadt Catania finde ich genau das, was ich jetzt brauche: wundervolle Bedeutungslosigkeit. Ein schönes südländisches Städtchen, größtenteils schon in die Jahre gekommen, etwas abgelebt, nicht mehr ganz frisch. Doch das macht nichts. Es hat Charme, eine Seele, ein buntes chaotisches Treiben alla Italia, das mir hier, warum auch immer, absolut liegt.

Auf Anraten meines Vermieters schlendere ich also los, in die città. Weit ist es nicht, wir sind praktisch mittendrin. Auf Empfehlung wage ich mich auf den Samstagsmarkt, auf dem es nichts gibt, was es nicht gibt. Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse. In allen Farben und Variationen. Düfte aller Art steigen einem in die Nase. Frische Meeresfrüchte wie Muscheln, Austern & Co hinterlassen einen leicht salzigen Geruch, gefolgt von Süßspeisen aller Art wie mandeligen Amarettini, hin zu zuckersüßen Cannoli, zu einem leichten Anisgeruch der Selleriebauern. Violetter Brokkoli türmt sich neben kräftig dunklen Auberginen und grasgrünen Paprika. Frischer Fisch aller Größen, gleich neben dem Fleischer, der sein Beil mit Begeisterung schwingt. Doch glaubt man den einen Markt verlassen zu haben, biegt man um die Ecke um in den nächsten zu fallen. Von Weihnachtsdekoration über Vorhänge, hin zu echt gefälschten Sneakers, ein paar Gürtel für den Herren und ein Kleidchen für die Dame. Catania und seine Gassen sind ein buntes Sammelsurium an allerlei Leckereien und Nippes, Krusch und Kram. So verschländert sich der Tag recht angenehm…

      

…doch zur Stärkung muss was Authentisches her. Auf beste Empfehlung von Raffaele suche ich die Arancine Bar am Platz und werde fündig. Arancine. Eine Kugel Reis mit wahlweiser Füllung von Ragù, Spinat, Schinken, einfach nur Butter oder auch schonmal Pistazie. Das ganze goldgelb frittiert, im Großen und Ganzen einer Orange ähnlich. Der Namensgeberin. Ich entscheide mich für Catanese, das scheint mir das Authentischste. Und dann? Die Offenbarung. Alle Speisen, die aktuell auf meiner Henkersmahlzeitenliste stehen sind Geschichte. Durchzogen mit geschmolzenem Käse, Kräutern aller Art, ein bisschen Tomate, dazu Aubergine, noch mehr Kräuter und eine große Prise Pfeffer. Dazu die krosse Außenhaut, getränkt mit Öl und Semmelbröseln runden die kleine perfekte Köstlichkeit ab. Ich habe viele probiert, ihnen allen eine Chance gegeben. Doch hier in der Pasticceria Savia sind sie schlicht das große Wow! Wo hier die 1000 ins Spiel kommt? Ich bestelle mir dazu ein Glas Prosecco. Und eben eine Arancine. Was ich bekomme? Ein Glas Prosecco, meine Aranice Catanese und eine vielseitige Auswahl an allerlei Knabbereien und Knuspereien. Ich beobachte diesen, mir viel Freude bereitenden Trend daraufhin so ziemlich überall. Soviel zum Apero(L)cena. Ein Aperol reicht, das Cena kommt hier von ganz allein dazu.

 

Und geht man so weiter, streift durch die Straßen, bevorzugt ein wenig abseits von Chic und Schön, fällt einem besonders ins Auge, dass es Unmengen an Autowerkstätten gibt. Also nichts sonderlich Professionelles, nichts geräumig Großes, in den meisten Fällen vermutlich noch nicht mal was Offizielles. Davon aber viel. Wozu? Die Frage verwirft man bei einem Blick auf die Autos, die hier so um die Ecken brausen. Ich möchte behaupten, dass die Autos, die in Deutschland weniger als einen Teilschaden aufweisen würden, hier an einer Hand abzuzählen sind. Hier fehlt eine Fronschürze, dort das halbe Heck, gerne auch mal ein Kotflügel oder schlicht eine eingedellte Tür, Kratzer im Lack soweit das Auge reicht. Kurzum: es gibt hier definitiv einen Markt für alle 1000 Werkstätten.

 

12.12.15 18:24


„Sorry, I am Sicilian and I am drunken!“

Als ich das Restaurant betrete ist mir noch nicht klar, welchem Schauspiel ich mich gleich hingeben werde. Aktuell bin ich nur auf der Suche nach einer großen Portion Spaghetti Sepia Nero. Und die bekomme ich auch; zusammen mit einem großen Glas sizilianischem Weißwein.

Erst nach der Bestellung bemerke ich meinen Premiumplatz in erster Reihe. Ich sitze draußen an einem Hochtisch, eines doch recht guten Restaurants, in dem man gleich mal –unbestellterweise- ein paar Bruscette zum Wein bekommt – man muss es Ihnen lassen: Tomaten und Olivenöl können sie einfach, die Sizilianer. Auf 12 Uhr: Leicht verzotteltes, aber definitiv strähniges Haar. Dunkelbraun, durchaus lang, ein wenig wie aus The Ring. Leicht fahle Gesichtsfarbe, die Augen klein, ein wenig Blutunterlaufen, um es auf den Punkt zu bringen: sternhagelblau! Ich tippe auf Ende Zwanzig, eine Flasche Rotwein, ein Handy und die lustigen Handschuhe ohne Fingerkuppen. Sie trinkt. Sie bemüht sich mit Nachdruck etwas in ihr Handy zu tippen. Der Typ neben ihr –definitiv der Chef, denn alle springen wenn er blinzelt- stets bemüht ihrer Wüsche gerecht zu werden, ihrer Gespräche zu lauschen.

So hängt sie also an diesem Glas und ihrer Zigarette, bei der es ihr jedoch bereits schwer fällt sie anzuzünden ohne sich ernsthafte Brandwunden zuziehen. Ihre Augen werden kleiner. Ein kräftiger Schluck Rotwein. Mein Essen kommt. Ein kräftiger Schluck Weißwein. Es schmeck hervorragend.

Das muss sie sich auch wenig später denken, als sie einen Berg Kartoffelecken und ihr Stück Fleisch serviert bekommt. Alles unter dem kritischen Blick des Chefs. Der Schluckauf beginnt. Der klassische Verlauf einer wunderbaren Betrunkenheit. Doch sie isst tapfer, was ihr aufgetragen. Sie winkt den Kellner heran. Mein Blick schweift beim letzten Schluck Weißwein über die beleuchtete Straße. Mitte Dezember, ich sitze draußen. Auf der elektronischen Anzeige steht, dass der Airport Bus in 5min kommt. Es nieselt leicht. Über mir hängt zwischen den Häuserfassaden die klassische Straßenweihnachtsbeleuchtung. Der Bus kommt jetzt in 6min. Aus dem Lautsprecher trällert Michael Bubblé ein Weihnachtslied. Es hat 16 Grad. Mein Blick trifft abermals die Busanzeige:  Mit jeder Minute die vergeht, braucht der Bus eine Minute länger um anzukommen. Ich drehe mich zurück, auf 12h, die Hauptdarstellerin bittet den Kellner Ketchup und Mayo großzügig über den Kartoffelecken zu verteilen; scheinbar ist das koordinatorisch nicht mehr drin. Er folgt der Bitte. Für einen kurzen Moment beschleicht mich das Gefühlt, das Kafkaeske hat mich aus Prag bis hierher verfolgt. Es ist zu kurios, um nicht real zu sein!  Ich bestelle zum Nachtisch ein Glas Rotwein, das Popcorn der Sizilianer, das einzig angemessene für diese Szenerie.

Abwechselnd schaue ich in mein Glas, mein Buch und gebannt an den Nebentisch. Sie bittet nun den Chef ihr eine Textnachricht vorzulesen –auch hier scheinen die Sinne nachzugeben- während sie sich ein weiteres Glas aus der Flasche eingießt. Möchte ihr eigentlich niemand diese Flasche wegnehmen? Schließlich bemühen sich ein paar andere Gäste an ihr vorbei zum Tisch dahinter. Sie steht auf, will sie durchlassen, was allerdings an Standhaftigkeit scheitert. Sie lächelt benommen: Sorry, I am Sicilian and I am drunken. Gut, denke ich mir, immerhin hat sie ihre Situation erkannt! In der Zwischenzeit gesellt sich ein älterer Herr dazu, ich vermute ihr Vater. Ihm erzählt sie nun eine herzergreifende Geschichte zwischen Rotwein, Fleisch und Gefuchtel. Er nimmt das alles relativ emotionslos hin. Kurz darauf stößt die Chefin hinzu. Was mir erklärt, dass der Chef nur der Junior Chef sein kann. Es stellt sich heraus, dass es ihre Mutter ist, als sie die Protagonistin mehr oder minder unter dem Tisch hervorzieht. Ein weiterer großer Schluck aus meinem Glas. Das Airport Shuttle braucht jetzt nur noch 4min. Die Frauen diskutieren, wie die Männer auch. Es scheint langsam auf den letzten Akt zuzugehen. Ich ordere die Rechnung, alle verschwinden überstürzt nach innen. Um mit Karte zu zahlen, ich auch. Hier finde ich eine Hauptdarstellerin über der Kasse hängen, alle weiteren Statisten wild gestikulierend drum herum. PIN rein, ich wieder raus. Der Jr. Chef stellt mir einen Limoncello mit einem milden Lächeln auf den Tisch. Das muss der letzte Akt sein. Ich schlürfe, was ein Zeug, das knallt. Der Airport Bus fährt vor, es regnet immer noch ein wenig. Sie stürzt nun unverhofft aus dem Lokal und verschwindet in der Masse; es bleibt eine hitzige Diskussion. Ich nehme den letzten Schluck Limoncello und tue es ihr gleich. Der Airport Bus auch.

10.12.15 22:17


Rom. Das Ende in drei Akten. Nichtstun. Warten. Ungeduld.

Nicht auf der Flucht, dennoch mit der festen Absicht Rom nun zu verlassen, lande ich vor verschlossenen Türen. Den Türen der U-Bahn. Man habe sich kurzfristig entschlossen nichts zu tun, nicht zu arbeiten, weder U-Bahn noch Bus. Ein Rückschlag. Als mein Telefon dann noch beschließt, dass es kein Netz findet, steigt die Freude. Schließlich erreiche ich über ein geliehenes Handy meinen Vermieter Valerio, der mich an der Station abgesetzt hatte und aufgrund der Nachrichten im Radio bereits auf dem Rückweg zu mir ist. Halleluja, danke! Also wieder rein ins Kistlein, dessen Fassungsvermögen mit der Anwesenheit meines Rucksackes abermals jäh an die Belastungsgrenze stößt, und ab zum Bahnhof. In Rom läuft es wohl nicht wie in Deutschland, Streiks werden nicht angekündigt, sie sind einfach da. Und zu aller Spaß hat die Stadt darüber hinaus beschlossen, dass alle Autos mit einer bestimmten Endung am Nummernschild auch nicht fahren dürfen. Wir sind nicht betroffen und sausen dem Bahnhof entgegen. Nach einer zweiten, noch herzlicheren Verabschiedung hüpfe ich in den Zug Richtung Flughafen.

Hier angekommen, mit viel zu großer Verspätung, höflich aber nachdrücklich zum Check-In vorgedrängelt und just 5 Minuten vor Boarding am Gate – Flug vermutlich gestrichen! Danke Rom. In diesem Fall aber danke Ätna, der spuckt ein bisschen, daher ist der Zielflughafen aktuell gesperrt. Circa 7 Mal in den kommenden 30 Minuten wird der Flug gestrichen und verschoben, gecancelled und verlegt. Und was tue ich? Klar, warten. Doch dann bemerke ich etwas Interessantes. Warten sie doch sonst so gern, die Römer, sind sie hier umso ungeduldiger. Bereits vor dem ersten geplanten Boarding stehen alle mit den Hufen scharrend vor dem Gate, drängeln und schupsen. Abwechselnd wird zur Servicedame gepilgert und seinem Unmut Luft gemacht. Eine pöbelnde Masse voller Ungeduld. Ich bin erstaunt. Kein dolce fa niente, kein resigniertes Warten, es wird der ungeduldige Aufstand geprobt. Ausnahmsweise bin ich es mal, die den letzten Akt ruhig angeht, sich in Geduld übt und schlummert. Ja Rom, ich habe gesagt, ich habe eine Ewigkeit Zeit dich zu erobern. Das habe ich getan. Jetzt habe ich auch ewig Zeit dich zu verlassen. Und auch das werde ich tun. Mit zwei Stunden Verspätung entlässt mich die ewige Stadt aus den steinernen Fängen. Danke Rom, schön war’s - trotz aller Differenzen. Und nun von der Ewigkeit hinüber zur Mafia…

EIN FAZIT: die ewige Stadt, aber nicht ganz die meine. Zweifelsohne wunderschön, doch es fehlt mir die Schönheit der Bedeutungslosigkeit. Einfach sagen: Oh, das ist schön, das gefällt mir. Nicht recherchieren zu „müssen“, was dort Wichtiges passiert ist. Und doch muss man hin, es ist beeindruckend, unvergleichbar. Eben Roma. A presto.

8.12.15 23:31


Genickstarre gen Himmel. Außer Landes.

Selten habe ich so viel gen Himmel geschaut. Und auch wenn es im Vatikan nahe liegen würde doch noch nach Gott zu suchen, kann ich alle Skeptiker beruhigen – ihn habe ich nicht bewundert.

Ich gehe also mal geschwind außer Landes, raus aus Italien, rein in den kleinsten Staat der Welt, den Vatikan. So ganz kann man es nicht verstehen, dass man plötzlich nicht mehr auf italienischem Boden sein soll, doch es wird einem nachdrücklich versichert. Also starten wir die Tour mit unserer Guide, die einen herrlich sarkastischen und skeptischen Humor der Kirche gegenüber hat und somit alle Ungereimtheiten und Skurrilitäten mit einem hämischen Lachen aufdeckt. Warum Michelangelo bei seinem ersten Auftrag für den Papst lieber billiges blaues Glas als Farbbasis nahm als Lapislazuli und sich vom restlichen Geld ein Landhaus zulegte, warum die sich küssenden Männer auf den Gemälden nicht schwul sind, sondern nur einen schönen Tag haben, warum zunächst alle Menschen auf Michelangelos grandiosen Fresken nackt waren und zu einem späteren Zeitpunkt mindestens untenrum mit einem Stück Stoff oder ähnlichem ausgestattet wurden. Wir wandern also durch das Vatikanische Museum mit einer unvorstellbar großen Ansammlung von Skulpturen, Kunstwerken, Wandteppichen, Briefmarkensammlungen und Enthüllungen. Doch warum die Genickstarre? Es sind die aufwendig, detailgetreuen und schlichtweg atemberaubend gestalteten Decken, die weder Auge noch Kameralinse von ihnen weichen lassen. Sowohl im Museum selbst, als dann auch in der Sixtinischen Kapelle. Hier ist leider weder sprechen, noch fotografieren erlaubt. Harter Tobak für mich. Aber es ist wirklich beeindruckend, was bereits vor so vielen Jahrhunderten hier zustande gebracht wurde, mit welchem Aufwand auf körperlicher wie auch monetärer Seite.  

  

Weiter geht es noch in den Petersdom. Er ist nicht groß, er ist riesig. Er hat nicht einen Altar, er hat um die 20. Einer prachtvoller und aufwendiger als der andere, dazwischen Marmorskulpturen aller Heiligen, Päpste oder was einem sonst in den Sinn kommen könnte. Gold, Verzierungen, Bronzestatuen. Massive Säulen die fast bis in den Himmel und dann doch nur bis zur unendlich hohen Kuppel reichen. Die asiatischen Mitmenschen fotografieren alles, was ihnen vor die Linse kommt ohne die scheinbar geringste Ahnung was dahinter steckt. Die italienischen, respektive katholischen Mitmenschen gehen da gezielter vor, rubbeln an Füßen von bronzenen Papststatuen, machen eifrig Kreuzchen, wo es auch immer für sinnvoll und hilfreich erachtet wird. Ich versuche mich irgendwo dazwischen möglichst unauffällig zu verhalten.

Zu guter Letzt frage ich mich bis zum deutschen Friedhof durch und betrete das erste Mal „echten“ vatikanischen Boden, den Boden, der nicht für jeden Touristen zugänglich ist. Sehr klein, aber sehr fein, eher wie ein spanischer Innenhof mit Palmen und viel Grün, findet man also den deutschen Friedhof, der Überreste bis ins 18. Jahrhundert, aber auch von heute beherbergt. Ein wenig seltsam mitten in Italien in einem anderen Staat zu sein und auch noch auf so etwas wie deutschem Boden. Als mich die Nonne beim Blumengießen aus dem Fenster auf Deutsch grüßt, ist die Illusion perfekt.

  

Der Vatikan. Ein beeindruckendes Stückchen Erde. Pracht- und prunkvoll. Ohne hier eine Grundsatzdiskussion eröffnen zu wollen und mit dem Wissen, dass ich hier als Kirchenskeptikerin spreche, entzieht es sich jedoch meinem persönlichen Verständnis, dass die Kirche predigt den Armen und Schwachen zu helfen und dann solche Paläste baut. Nicht nur hier, überall, hier aber im Besonderen. Nehmt das Geld für die Pracht und investiert es dort, wo es gebraucht wird. Denn ich bin mir sicher, dass kein guter Gott auf diese schiere Verschwendung Wert legt. Betrachte ich nur die Bauten, ihre Architektur und kulturellen Wert, ohne ihren Zweck, bleibe ich schwer beeindruckt von den vollbrachten Taten. Amen.

8.12.15 22:59


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